Dies ist kein Text - Das Militär und die Computerspiele
Ich möchte den populärphilosophischen Überlegungen noch zwei drei
Punkte hinzufügen:
1. Die postulierte Grenze zwischen nirtueller Welt und realer Welt
existiert nicht mehr seit Vietnam. Die Realität eines Videobeitrages,
einer Zeitungsnachricht oder einer Radiomeldung ist für mich mit
meinem sensorischen Apparat nicht mehr nachprüfbar. Ob in Racac
wirklich ein Massaker stattgefunden hat oder ob man ein paar Leichen
zusammengetragen hat hängt für mich davon ab wem ich glaube, nicht
von der Abwägung dessen, was ich sehe, schmecke, höre.
2. Was sich in den letzten 30 Jahren entwickelt hat ist ein
bewußtsein der Menschen, mit den Formen dieser erweiterten Realität
der Nachrichten umzugehen und die Nachricht stärker an den
überbringer zu koppeln als an den vermutlichen Wahrheitsgehalt. Im
zweiten Weltkrieg war ein Foto noch ein “Beweis”, es zeigte für die
beteiligten eine unabänderliche Wahrheit. Bis zum Vietnamkrieg hatte
man gelernt, daß Fotos vielfältig manipuliert werden können, und nur
noch das gefilmte galt als Beweis, so wie die vor laufenden Kameras
stattfindende Exekution.
3. Heute wissen wir, daß Computergenerierte Filme von abgefilmten
Szenen nicht länger unterscheidbar sind. Wenn uns jemand ein Video
von Stalin und Einstein beim Essen zeigt wissen wir, daß es sich um
eine gut gemachte Computeranimation handeln wird, weil diese Bilder
nicht mit unserem Wissen über die Realität übereinstimmen. (Siehe
“Wag the Dog” zu diesem Thema)
4. Unsere Realitätswahrnehmung beruht also zunehmend auf den bereits
vorhandenen Informationen und Vertrauensverhältnissen. Wir bauen und
verstärken unsere Realität durch die Bekannten, Freude und
Verwandten, die wir uns aussuchen, und zunehmend existieren viele
verschiedene unserer Realitäten nebeneinander. Unsere Freunde sagen
uns, ob wir der taz glauben oder der faz, cnn oder ard.
5. Diese Realitätsfragmentierung trifft auf eine vielzahl anderer
Fragmentierungen (sexueller, arbeitspolitischer, technischer Art) der
gesellschaft. Zu überwinden ist sie IMHO durch die weitere
Verbreitung von Medienbewußtsein, die eine Kommunikation zwischen den
verschiedenen Realitäten noch ermöglicht. Wenn der Faz-Leser und der
Taz-Leser sich einig sind darin, daß ihre Realitäten “gemacht”
werden, so ist haben sie die Möglichkeit, sich auf der Relativität
ihrer Realitäten wieder zu einigen, oder zumindest auszutauschen.
6. zur Umsetzung dieser Kommunikation bedarf es nicht nur der
Erkenntnis von der gebundenheit unserer Realität, sondern auch eines
großen Respekts vor jeder anderen realität, die uns begegnen mag.
Respekt vor den Erfahrungen der anderen und den Willen und die
Fähigkeit, diese Realität als eine echte anzuerkennen, sie ernst zu
nehmen und von ihr zu lernen.
7. Dies sind keine “wir-müssen-mal-wieder”-Sätze sondern ein für mich
feststehender zusammenhang. Es steht jedem frei, in seiner Welt
weiterzuleben. Und ich werde bewußt in viele Welten nicht
hineinschauen - weil es Dinge gibt, die ich nicht lernen, wissen oder
können will. Hierzu empfehle ich “Einmal Rupert und zurück” von
Douglas Adams mit dem bewußtseinserweiternden Satz “Du kannst nicht
wissen was ich weiß, weil Du weißt, was Du weißt. Wüßtest Du, was ich
weiß, könntest Du nicht wissen, was Du jetzt weißt”, oder aber
einfach die Ärzte und ihrem großartigen Gestus der Gewissheit, daß
Coolness, Schönheit und Sexyness Kriterien sind, and denen Nazis und
böse Menschen einfach immer wieder scheitern müssen
Rotfront